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Vogesen

Die Motorrad-Reviere in den Vogesen

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Die Vogesen sind das französische Gegenüber des Schwarzwalds: ein Mittelgebirge über dem Elsass, dessen Kamm die Route des Crêtes trägt — eine im Krieg angelegte Höhenstraße hoch über der Rheinebene. Runde Ballon-Gipfel, tiefe Täler mit ruhigen Passstraßen, am Ostfuß die Weinstraße, im Norden ein niedrigeres Sandsteingebirge Richtung Pfalz. Dazu die Erinnerung an die Westfront von 1914. Was die einzelnen Ecken für Motorradfahrer ausmacht, steht hier.

Route des Crêtes – die Kammstraße von Nord nach Süd

Zwei Motorräder auf einer Höhenstraße mit weitem Blick über die Vogesenkämme
Auf den Kammstraßen der Vogesen

Das Wahrzeichen des Reviers ist die Route des Crêtes, im Ersten Weltkrieg vom französischen Militär entlang der Front angelegt, um Truppen und Nachschub gedeckt hinter dem Kamm zu bewegen. Sie folgt den Höhen der Hautes Vosges vom Col du Bonhomme im Norden bis Cernay im Süden und fädelt die großen Pässe und Ballon-Auffahrten auf einer Linie auf. Weite Teile führen über baumlose Bergweiden, die Hautes-Chaumes, mit freiem Blick über das Elsass zur Rheinebene — offene Sichtlinien und langgezogene Kurven statt enger Kehren. Im Sommer teilt man die Strecke mit Radfahrern und Ausflugsverkehr; die höchsten Abschnitte sind im Winter wegen Schnee und Skibetrieb gesperrt, die Öffnung im Frühjahr hängt von der Schneelage ab.

Grand Ballon, Ballon d'Alsace und der Col de la Schlucht

Motorrad in einer Kurve auf einer kurvigen Höhenstraße der Vogesen
Kurvenreich über den Kamm

Die höchsten Punkte sind die runden Ballon-Gipfel. Der Grand Ballon ist mit 1.424 Metern der höchste der Vogesen; die weiße Radarkuppel auf der Kuppe dient schon von weitem als Orientierungspunkt, an klaren Tagen reicht der Blick über die Rheinebene bis zu den Alpen. Der Ballon d'Alsace schließt die Kammstraße im Süden ab — dort stoßen Elsass, Lothringen und die Franche-Comté zusammen, und Auffahrten aus mehreren Tälern treffen sich am Pass. Der Col de la Schlucht ist der meistbefahrene Übergang zwischen dem Munstertal auf der elsässischen und Gérardmer auf der lothringischen Seite — entsprechend viel Betrieb, aber ein guter Ein- und Ausstieg für die Kammrunde.

Col du Bonhomme, Col du Calvaire und die Lac-Blanc-Höhen

Steile Felswand über dem bewaldeten Tal am Col de la Schlucht
Felskulisse am Col de la Schlucht

Im nördlichen Kammabschnitt verbinden zwei ruhigere Pässe die beiden Bergseiten. Der Col du Bonhomme führt von Saint-Dié in Lothringen hinüber nach Kaysersberg ins Weinland und bildet den Nordanfang der Route des Crêtes. Wenig weiter südlich klettert der Col du Calvaire an den Skistationen und den Gletscherseen Lac Blanc und Lac Noir vorbei auf die Höhe. Beide laufen überwiegend durch geschlossenen Wald und tragen weniger Verkehr als die Ballon-Abschnitte — die Wahl, wenn es auf der Panoramastrecke voll wird.

Munstertal und Petit Ballon – die enge, grüne Seite

Motorrad an der Ufermauer des Lac Blanc
Rast am Lac Blanc

Vom Kamm fällt es steil in die Täler ab. Das Munstertal, bekannt für seinen Käse, zieht von Munster hinauf zum Col de la Schlucht und ist mit Fermes-Auberges, den bewirtschafteten Berggasthöfen, gespickt — brauchbare Rastpunkte direkt an der Höhenstraße. Westlich davon führt eine schmale Straße über die Weiden des Petit Ballon, deutlich enger und stiller als die Kammstraße, mit engen Kehren und kaum Gegenverkehr. Wer dem Trubel auf der Route des Crêtes ausweichen will, findet hier die anspruchsvollere Linie.

Gérardmer und die Seen – die Lothringer Westseite

Die Westflanke zu Lothringen ist grüner, feuchter und seenreich. Gérardmer liegt an seinem See als touristischer Mittelpunkt der Region, ringsum reihen sich weitere Seen wie Longemer und Retournemer, dazwischen die Wintersportorte um La Bresse. Die Talstraßen sind flüssig und waldreich, die Anstiege von hier auf den Kamm — etwa über den Col de la Schlucht — gehören zu den lohnendsten Auffahrten von der lothringischen Seite.

Nordvogesen (Vosges du Nord) – Sandstein Richtung Pfalz

Nördlich der Hochvogesen wechselt der Charakter: Die Vosges du Nord sind ein niedrigeres Gebirge aus rotem Buntsandstein, durchgehend bewaldet, mit Burgruinen auf den Felsköpfen statt kahler Gipfel. Jenseits der Grenze gehen sie ohne Bruch in den Pfälzerwald über — dasselbe Gestein, derselbe Wald, zusammen ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat. Um Wissembourg, Niederbronn und Saverne fährt man hier weniger Höhenmeter, dafür lange, verkehrsarme Waldkurven — Touren-, kein Passgelände, und die naheliegende Verlängerung nach Norden für alle, die von den Hochvogesen kommen.

Hartmannswillerkopf – das Frontgebirge

Die Südvogesen waren zwischen 1914 und 1918 umkämpft. Am Hartmannswillerkopf, französisch Vieil Armand, erinnert eine der vier nationalen Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs an die verlustreichen Kämpfe um den Bergrücken; Krypta und Soldatenfriedhof liegen direkt an der Straße, erhaltene Gräben und Stellungen ziehen sich durch den Wald. Der Ort liegt am Südende der Route des Crêtes und lässt sich gut in die Kammrunde einhängen — ein Halt, der erklärt, warum um diese Höhen mit Blick über die Rheinebene so hart gekämpft wurde.

Elsässer Weinstraße und Anneau du Rhin – der Ostfuß

Am Ostfuß der Vogesen zieht die Elsässer Weinstraße durch Fachwerkorte wie Riquewihr und Kaysersberg — kurze, kurvige Etappen zwischen den Weinbergen, gut zum Ausrollen nach den Höhen. Wer es sportlich mag, hat bei Colmar mit dem Anneau du Rhin eine Rennstrecke mit regelmäßigen Track-Days in Reichweite. Über den Rhein schließt der Schwarzwald an — der naheliegende Anschluss, wenn man beide Mittelgebirge zu einer Runde verbinden will.

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