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Vogesen

Motorradtouren in den Vogesen

Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.

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Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

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Strecke

Strecken-Achsen und Bikertreffs in den Vogesen

Die Hauptachsen

Route des Crêtes (Kammstraße). Die Vogesen-Kammstraße ist das Herzstück der Region: rund 88 Kilometer Nord-Süd entlang des Hauptkamms, von Sainte-Marie-aux-Mines im Norden bis hinunter nach Cernay und Uffholtz beim Hartmannswillerkopf im Süden. Sie verläuft fast durchgehend über 950 Metern, das Kernstück ist die D430. Statt enger Serpentinen prägen offene Höhenweiden, weite Schwünge und freie Panoramen das Bild – nach Osten über die Rheinebene bis zum Schwarzwald, an klaren Tagen bis zu den Alpen. Der höchste Punkt der Straße ist der Col du Grand Ballon auf 1.341 Metern. Gebaut wurde die Strecke ab 1915 vom französischen Militär als Versorgungsstraße entlang der Front, bewusst knapp unter dem Kamm in Deckung vor dem deutschen Artilleriefeuer.

Col de la Schlucht (1.139 m). Der zentrale Klassiker-Pass der Vogesen verbindet das elsässische Münstertal rund um Munster mit Gérardmer auf der lothringischen Seite, über die D417. Gut ausgebauter Belag, fließende Kurven und der wohl bekannteste Treffpunkt der Region direkt am Pass. Ganzjährig über Talstraßen erreichbar und ein natürlicher Kreuzungspunkt für jede Vogesen-Runde.

Col du Grand Ballon (1.341 m) und Grand Ballon. Der höchste Punkt der Kammstraße liegt unterhalb des Grand Ballon (1.424 m), des höchsten Gipfels der Vogesen mit seiner weithin sichtbaren Radar-Kuppel. Die Auffahrt von Süden über die D431 aus dem Raum Guebwiller und Cernay ist eine der lohnendsten der Region: lange Ziehkurven, weiter Blick, an der Spitze zwei Gipfel-Restaurants und ein großer Parkplatz.

Ballon d'Alsace (Passhöhe 1.171 m, Gipfel 1.247 m). Der südliche Eckpfeiler der Vogesen, wo Elsass, Lothringen und Franche-Comté zusammenstoßen. Hier wurde 1905 der erste Berganstieg der Tour de France gefahren – seither ein Mythos für Rad- wie Motorradfahrer. Mehrere kurvige Auffahrten von verschiedenen Seiten machen ihn zum dankbaren Tagesziel.

Col du Hahnenbrunnen (1.186 m) und Col du Calvaire (1.144 m). Der Hahnenbrunnen gilt als höchster eigenständiger Straßenpass der Vogesen und liegt direkt an der Kammstraße zwischen Markstein und Grand Ballon. Der Col du Calvaire weiter nördlich verbindet den Crêtes-Abschnitt am Lac Blanc mit dem Tal – beide sind reine Asphalt-Pässe und Teil der großen Kamm-Schleife.

Elsässer Weinstraße (Route des Vins d'Alsace). Der entspannte Gegenpol zum sportlichen Kamm: rund 170 Kilometer Nord-Süd am Ostfuß der Vogesen, von Marlenheim bei Straßburg bis Thann bei Mulhouse. Hier wird nicht gejagt, sondern genossen – kleine Landstraßen durch Fachwerk-Weindörfer wie Riquewihr, Kaysersberg und Obernai, vorbei an Grand-Cru-Lagen. Ideal als ruhige Rückfahrt-Etappe nach einem Kurventag oben am Kamm.

Bikertreffs und Talknotenpunkte

  • Col de la Schlucht – der zentrale Treffpunkt der Vogesen direkt am Pass, mit Gastronomie und Motorrad-Parkplatz an der D417. Knotenpunkt zwischen Munster und Gérardmer.
  • Le Markstein – Skistation und Sammelplatz an der Kammstraße mit großem Parkplatz und Einkehr; an schönen Wochenenden viel Betrieb.
  • Grand Ballon – beliebter Wochenend-Sammelpunkt am höchsten Punkt der Region, zwei Gipfel-Restaurants und weite Aussicht.
  • Gérardmer – „Perle der Vogesen" auf lothringischer Seite, Luftkurort am See und gutes Tor zur Vallée des Lacs und zum Col de la Schlucht.
  • Munster – Hauptort des Münstertals, Ausgangsbasis für die Auffahrt zur Schlucht und zur südlichen Kammstraße, gute Versorgung.
  • La Bresse – größter Bergort der Hochvogesen, zentral gelegen für Touren rund um Hohneck und Markstein.

Eine elsässische Besonderheit am Kamm sind die Fermes-auberges: bewirtschaftete Bauernhof-Gasthäuser auf den Höhenweiden mit deftiger Regionalküche, etwa dem klassischen „Repas Marcaire". Häuser wie die Auberge du Steinlebach am Markstein oder die Ferme-Auberge du Hahnenbrunnen sind feste Pausenplätze an der Strecke.

Versorgung

Tankstellen & Versorgung unterwegs

Die wichtigste Regel zuerst: Auf der Route des Crêtes selbst gibt es keine Tankstellen. Wer oben am Kamm steht, hat die letzte Säule weit unten im Tal hinter sich – auf den Höhen warten nur Gasthäuser und Aussichtspunkte, kein Sprit. Die Faustregel lautet darum: vor jeder Auffahrt im Tal volltanken.

Zwei Motorräder auf einer Höhenstraße mit weitem Blick über die Vogesenkämme
Auf den Kammstraßen der Vogesen

Verlässliche Tankpunkte liegen in den Talorten rund um das Gebirge: Munster und Colmar im elsässischen Osten, Gérardmer und La Bresse auf der lothringischen Westseite, dazu Cernay und Guebwiller am Südfuß. Viele Tankstellen hängen an Supermärkten und sind außerhalb der Öffnungszeiten nur per Karten-Automat bedienbar – eine funktionierende Kreditkarte gehört ins Gepäck.

Wer eine ganze Kamm-Runde plant, rechnet die Strecke großzügig: Von der letzten Talsäule bis zurück ins nächste versorgte Tal können leicht 60 bis 80 Kilometer ohne Tankmöglichkeit liegen, je nachdem wie viele Cols mitgenommen werden. Mit einer bequemen Reichweite von rund 200 Kilometern kommt man sicher über jede Tagesetappe – kleinere Tanks lieber an jeder größeren Talstation auffüllen, statt auf eine Säule am Berg zu hoffen, die es nicht gibt.

Wintersperre und Nachtruhe auf den Kamm- und Ballon-Straßen

Die Route des Crêtes und die hohen Ballon-Auffahrten sind keine ganzjährig durchgehend befahrbaren Straßen. Wer außerhalb des Hochsommers plant oder abends unterwegs sein will, sollte die saisonalen Einschränkungen kennen — dauerhaft gesperrt ist derzeit nichts, aber die Höhenstraßen folgen einem Jahresrhythmus, den man vor der Tour abgleicht.

Winter: Schnee, Skibetrieb und kein Winterdienst

Die höchsten Abschnitte werden im Winter nicht geräumt. Rund um den Col de la Schlucht, den Grand Ballon und die Skistationen am Col du Calvaire und Lac Blanc herrscht Ski- statt Motorradbetrieb; Teile der Kammstraße bleiben dann geschlossen, andere sind zwar offen, aber durch Schneematsch, liegengebliebenen Streusplitt und frühen Frost heikel. Der genaue Öffnungstermin im Frühjahr hängt jedes Jahr neu von der Schneelage ab — ein warmer März kann die Höhe früh freigeben, ein nasskalter sie bis in den April hinein sperren. In den Übergangsmonaten also nie blind auf den Kamm fahren, sondern die aktuelle Lage prüfen.

Sommer: nächtliche Sperren gegen Lärm und Raserei

Weniger bekannt ist die Nachtsperre in der warmen Jahreszeit. Auf stark befahrenen Kammabschnitten wird die Straße in den Sommermonaten nachts für den Verkehr geschlossen — eine Reaktion auf nächtlichen Lärm und illegale Beschleunigungsfahrten auf den offenen Panoramastücken über Col de la Schlucht, Grand Ballon und Ballon d'Alsace. Die genauen Uhrzeiten und der Zeitraum werden jährlich per Verordnung neu festgelegt und wechseln — verlässliche Zahlen gibt es nur aus der aktuellen Beschilderung, nicht aus dem Reiseführer vom Vorjahr. Wer die Route des Crêtes plant, legt sie deshalb sicher in die Tageslichtstunden und prüft vor einer Abend- oder Nachtetappe die örtlichen Meldungen. Tagsüber bleibt die Strecke normal offen.

Anneau du Rhin – die Rennstrecke bei Biltzheim als Ausflugsziel

Am Ostfuß der Vogesen, in Biltzheim zwischen Colmar und Mulhouse und nur wenige Kilometer von der Rheinebene entfernt, liegt der Anneau du Rhin — ein permanenter, kompakter Rundkurs, der Autos wie Motorrädern offensteht. Für eine Vogesen-Woche ist er mehr als eine Randnotiz: Er ist das legale Ventil für alle, die es sportlich mögen, ohne es auf den öffentlichen Pässen mit Radfahrern, Ausflugsverkehr und Gendarmerie auszutragen.

Die Strecke ist eng und technisch, mit wechselnden Streckenführungen — kein Hochgeschwindigkeitskurs, sondern ein Platz, um Linie, Bremspunkt und Schräglage in sicherem Rahmen zu lernen. Für Motorräder gibt es regelmäßige Track-Days und offene Trainings (roulages moto), teils nach Leistungsgruppen sortiert. Konkrete Termine wechseln laufend und stehen im Kalender des Betreibers — hier keine Daten aus zweiter Hand übernehmen, sondern direkt vor der Anreise buchen, denn die Plätze sind kontingentiert.

Praktisch heißt das für den Abstecher an die Strecke:

  • Voranmeldung über den Betreiber — Plätze sind begrenzt, spontan geht selten etwas.
  • Technik-Check am eigenen Motorrad: abgeklebte Lichter und Spiegel, ausreichend Profil, keine undichte Maschine.
  • Schutzkleidung nach Vorgabe, je nach Gruppe bis hin zum Lederkombi und Rückenprotektor.

Als Schlechtwetter- oder Ruhetag-Alternative taugt der Kurs ebenso: Wenn oben am Kamm Nebel und Nässe die Panoramastrecke unattraktiv machen, hat man im Rheintal eine trockene, legale Option in Reichweite.

Lärm und Kontrollen – Frankreichs Sonderregeln für Biker

Die Vogesen sind bei Motorradfahrern beliebt — und genau deshalb im Blick der Behörden. Auf den bekannten Kurvenstrecken und Cols muss man an schönen Wochenenden mit Kontrollen der Gendarmerie rechnen, und Frankreich schaut dabei nicht nur auf die Geschwindigkeit.

Das Reizthema ist Lärm. Geprüft wird nicht nur, wie schnell, sondern wie laut gefahren wird: Die Auspuffanlage muss der Zulassung entsprechen, ein entfernter dB-Killer oder ein nicht homologierter Endtopf ist ein Verstoß, der ein empfindliches Bußgeld und im Extremfall die Stilllegung des Fahrzeugs nach sich ziehen kann. Frankreich erprobt zudem als Vorreiter Lärmblitzer, die zu laute Fahrzeuge automatisch erfassen. Wer in die Vogesen fährt, ist mit serienmäßigem, eingetragenem Auspuff auf der sicheren Seite und führt die Fahrzeugpapiere mit, aus denen die zulässigen Werte hervorgehen.

Dazu kommt gelebte Rücksicht: An den Fermes-Auberges, in den Dörfern des Munstertals und an den Aussichtspunkten wohnen und rasten Menschen. Wer dort im Standgas durchrollt, statt am Ortsausgang hochzudrehen, hält die Strecken für alle offen — jede Lärmbeschwerde ist ein Argument mehr für die nächste Sperre. Ausländische Kennzeichen schützen nicht: Bußgelder werden vor Ort kassiert, und die Regeln gelten für Durchreisende genauso wie für Einheimische.

Fünf fertige Tagesrunden für eine Woche in den Vogesen

Die folgenden fünf Runden decken die landschaftlich und fahrerisch lohnendsten Ecken ab. Die Kilometerangaben sind Richtwerte für ein ruhiges Tempo mit Stopps; wer den Kamm an einem Sommerwochenende fährt, rechnet die Zeiten großzügiger.
Runde 1 — Die ganze Route des Crêtes:

Etwa 120 bis 160 Kilometer, der Klassiker. Von Sainte-Marie-aux-Mines oder Gérardmer über den Col de la Schlucht auf die Kammstraße und in einem Zug nach Süden über Markstein, Col du Grand Ballon (1.341 m) bis zum Hartmannswillerkopf und hinunter nach Cernay. Highlight: die offene Höhenlandschaft mit Panorama über die Rheinebene bis zum Schwarzwald. Einkehr: in einer Ferme-auberge am Kamm mit dem klassischen „Repas Marcaire".

Runde 2 — Münstertal und Col de la Schlucht:

Etwa 90 bis 120 Kilometer. Von Colmar ins Münstertal nach Munster, hinauf zum Col de la Schlucht (1.139 m) und hinüber nach Gérardmer, von dort über die Vallée des Lacs zu den Seen Longemer und Retournemer und zurück. Highlight: der Wechsel von der elsässischen Genuss-Seite zur lothringischen Seenlandschaft. Einkehr: am See in Gérardmer oder in einer Brasserie am Pass.

Runde 3 — Ballon d'Alsace und der Süden:

Etwa 130 bis 170 Kilometer. Aus dem Raum Thann oder Saint-Maurice-sur-Moselle hinauf zum Ballon d'Alsace (Passhöhe 1.171 m), dem südlichen Eckpfeiler der Vogesen, und über mehrere kurvige Auffahrten und die kleinen Cols der Südvogesen zurück. Highlight: der historische Tour-de-France-Berg von 1905 mit weitem Blick bis in die Schweizer Berge. Einkehr: in einer Berggaststätte am Ballon oder in den Tälern der Haute-Moselle.

Runde 4 — Elsässer Weinstraße und Haut-Kœnigsbourg:

Etwa 100 bis 140 Kilometer, die entspannte Genuss-Runde. Von Colmar nach Norden über die Route des Vins d'Alsace durch Kaysersberg, Riquewihr und Ribeauvillé, mit Abstecher hinauf zum Château du Haut-Kœnigsbourg und zurück. Highlight: Fachwerk-Weindörfer und die wiederaufgebaute Burg über der Ebene. Einkehr: in einer Winstub in einem der Weindörfer – zur Weinprobe gehört auf dieser Runde allerdings ein Fahrer, der nicht mitkostet.

Runde 5 — Nordvogesen und der Donon:

Etwa 120 bis 150 Kilometer, ruhiger und einsamer als der Süden. Aus dem Raum Saint-Dié-des-Vosges über den Col de Sainte-Marie und kleine Waldstraßen zum Col du Donon (728 m) mit der alten Kultstätte, weiter durch das Bruchtal Richtung Schirmeck. Highlight: dichte Wälder, wenig Verkehr und der geschichtsträchtige Donon-Gipfel. Einkehr: in einer Auberge in einem der Bergdörfer der Nordvogesen.

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